Friday 26 May, 2017
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Klimaforscher Schellnhuber: Marrakesch Wendepunkt der Geschichte

News Desk
Veröffentlicht: 20 November 2016 Sunday, 07:40  AM

Klimaforscher Schellnhuber: Marrakesch Wendepunkt der Geschichte

Bonn, Non 19  (deutschenews24.de/dpa) - Im Klimaschutz ist mit dem Abkommen von Paris eine neue Zeitrechnung angebrochen. Die beginnt in Marrakesch recht trocken mit technischen Verhandlungen - und dem Schock der Diplomaten über die Wahl von Donald Trump in den USA. Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung bei Berlin, Hans Joachim Schellnhuber, spricht über das, was jetzt passieren muss, um wenigstens das Schlimmste zu verhindern.

Frage: Inwiefern ist die Weltgemeinschaft in diesen zwei Konferenzwochen in Marrakesch weiter gekommen mit dem Klimaschutz?

Antwort: Die Konferenz war ja ein bisschen als eine Jubelfeier gedacht für das Paris-Abkommen und sein schnelles Inkrafttreten. Das ist schon beispiellos für einen internationalen Vertrag dieser Tragweite. Deshalb wollte man sich natürlich auf die Schultern klopfen gegenseitig.

Frage: Wie hat sich die Wahl von Donald Trump ausgewirkt, der ja am menschengemachten Klimawandel zweifelt?

Antwort: Mit dem kalten Schock der Trump-Wahl in den USA wurde natürlich die Konferenz auch zur Selbsthilfegruppe. Man musste sich Mut zusprechen und sich versichern, dass die einzelnen Länder zu ihren eingegangenen Verpflichtungen stehen. Wie es bei den USA aussieht, ist eine ganz andere Frage. Aber notfalls will man auch ohne die USA das Paris-Abkommen umsetzen.

Frage: Das Ergebnis ist eher ein psychologisches?

Antwort: Ja, ich denke schon, weil es natürlich Verunsicherung gibt. Das ist übrigens bei jeder Klimakonferenz so. Zuerst mal versucht man, ein bisschen zu erkunden, wie die Stimmungen sind. Das war diesmal noch wichtiger, weil man sich natürlich gegenseitig in die Augen schaut und fragt: Meinst Du noch das, was Du in Paris gesagt hat? Es kam aber ganz überwältigend die Antwort: Ja, Paris ist gesetzt. Das ist ein Wendepunkt der Geschichte.

Frage: Die Einigung auf den Pariser Weltklimavertrag wurde bejubelt. Hält der Schwung an?

Antwort: Deutschland hat zum Glück ja noch einen Klimaschutzplan vorgelegt. Zunächst einmal muss man das, was in Paris vereinbart wurde, umsetzen. Das ist auch eine Finanzfrage. Wenn die USA als Geldgeber ausfallen sollten in den nächsten Jahren, dann müssen andere die Lücke schließen. Um Finanzen wird immer heftig gestritten, aber am Ende ist man sich einig, wohin die Reise gehen muss.

Frage: Wie geht es weiter?

Antwort: Ganz klar: Jetzt und vor allem im nächsten Jahr muss man sehen, wie die nationalen Pläne wirklich umgesetzt werden. Man wird sich ja gegenseitig, auch das ist in Paris vereinbart worden, über die Schulter schauen dürfen, um dann 2018 möglicherweise noch mal eine Schippe drauf zu legen.

Frage: Genügt das?

Antwort: Aus der Sicht der Wissenschaft - ich muss das ja kühl betrachten - bringen es die nationalen Verpflichtungen bisher nicht. Wir sind weiterhin auf einem Kurs von mindestens drei Grad Erwärmung noch in diesem Jahrhundert und sechs Grad Erwärmung längerfristig. Was das Ende der Zivilisation wäre, wie wir sie kennen. Letztendlich müssen eigentlich alle Volkswirtschaften der Welt bis 2050 ohne fossile Brennstoffe auskommen und keine Wälder verbrennen, Moore trockenlegen und dergleichen. Das ist eine gewaltige Herausforderung.

Frage: Welche Auswirkungen drohen in kommenden 20 Jahren, was ist noch aufzuhalten?

Antwort: Es ist nur noch das Schlimmste zu vermeiden. Bestimmte Dinge sind im System eingepreist. Zum Beispiel, dass der Meeresspiegel noch weiter steigen wird. Das ist leider so sicher wie das Amen in der Kirche. Das Wetter wird extremer werden. Vieles davon spüren wir schon, zum Beispiel die Einwanderung von exotischen Arten in unsere Ökosysteme. Aber bei 1,5 bis 2 Grad Erwärmung würde man die ganz großen Unfälle für unsere Breiten vermeiden können. Auch wenn 2 Grad wahrscheinlich das Todesurteil für eine Reihe von Inselstaaten ist. Zu denen werden auch die Malediven gehören.

ZUR PERSON: Hans Joachim Schellnhuber ist Gründer und Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Er ist Professor für Theoretische Physik an der Universität Potsdam und Co-Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen inne.

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