Thursday 23 November, 2017
deutschenews24.de

Donald Trump und die neue Wirtschaftsordnung

MICHAEL SPENCE
Veröffentlicht: 04 December 2016 Sunday, 07:43  AM

Donald Trump und die neue Wirtschaftsordnung

HONGKONG – Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war die Hierarchie wirtschaftlicher Prioritäten relativ eindeutig. Ganz oben auf der Liste stand die Schaffung einer offenen, innovativen und dynamischen marktorientierten Weltwirtschaft, in der (im Prinzip) alle Länder wachsen und gedeihen können. An zweiter Stelle – man könnte sogar sagen: weit abgeschlagen an zweiter Stelle – stand die Schaffung kraftvoller, nachhaltiger, breite Schichten einschließender nationaler Wachstumsmuster. Da war einmal.

Tatsächlich erscheint nun eine Umkehr im Gange. Das Erreichen eines starken, breite Schichten umfassenden Wachstums auf nationaler Ebene zur Wiederbelebung einer im Abstieg begriffenen Mittelschicht, zur Steigerung der stagnierenden Einkommen und zur Verringerung der hohen Jugendarbeitslosigkeit gewinnt nun Vorrang. Internationale Übereinkünfte von gegenseitigem Nutzen, die den Fluss von Waren, Kapital, Technologien und Menschen (den vier zentralen Strömen der Weltwirtschaft) regeln, werden jetzt nur noch dann als angemessen betrachtet, wenn sie die Fortschritte bei der Erfüllung der höchsten Priorität verstärken oder zumindest nicht untergraben.

 

Diese Umkehr wurde im Juni deutlich, als die Briten – und zwar auch jene, die von dem bestehenden offenen Wirtschafts- und Finanzsystem in erheblichem Umfang profitieren – dafür stimmten, die Europäische Union zu verlassen, und zwar auf Grundlage von etwas, was man das Souveränitätsprinzip nennen könnte. Die EU-Institutionen wurden als Einrichtungen wahrgenommen, die die Fähigkeit Großbritanniens untergraben, seine eigene Wirtschaft anzukurbeln, die Einwanderung zu regulieren und sein Schicksal selbst zu bestimmen.

 

 

https://www.project-syndicate.org/commentary/nationalist-approach-to-economic-policy-by-michael-spence-2016-11/german

 

Michael Spence, a Nobel laureate in economics, is Professor of Economics at NYU’s Stern School of Business, Distinguished Visiting Fellow at the Council on Foreign Relations, Senior Fellow at the Hoover Institution at Stanford University, Academic Board Chairman of the Asia Global Institute in Hong Kong, and Chair of the World Economic Forum Global Agenda Council on New Growth Models. He was the chairman of the independent Commission on Growth and Development, an international body that from 2006-2010 analyzed opportunities for global economic growth, and is the author of The Next Convergence – The Future of Economic Growth in a Multispeed World.