Wednesday 17 October, 2018
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Schädliches Stickoxid verpestet die Luft in deutschen Städten


Veröffentlicht: 01 February 2017 Wednesday, 01:57  PM

Schädliches Stickoxid verpestet die Luft in deutschen Städten

Alte Dieselautos sind die Hauptverursacher/dpa/AFP/Archiv / Jan Woitas

Dessau, Feb 01 (deutschenews24.de/AFP) - Schädliches Stickoxid verpestet die Luft in deutschen Städten und Ballungszentren weiterhin viel zu stark. An mehr als der Hälfte aller verkehrsnahen Messstellen sei der Grenzwert für Stickstoffdioxid im vorigen Jahr im Mittel überschritten worden, berichtete das Bundesumweltamt (UBA) am Dienstag in Dessau nach der Auswertung vorläufiger amtlicher Messdaten.

Die Verbindung sei "weiter Schadstoff Nummer eins", die Belastung seit 2010 nur leicht zurückgegangen, teilte die Behörde mit. Fortschritte gab es beim Feinstaub. Die Belastung war 2016 so niedrig wie nie seit 2000.

Luftqualität

Stickstoffdioxid gefährde die Gesundheit der Menschen schon seit Jahrzehnten, erklärte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Kommunen müssten endlich Möglichkeiten erhalten, Autos mit hohem Ausstoß aus den besonders belasteten Innenstädten zu verbannen. Schuld an der Misere seien "vor allem alte Dieselautos". Es gehe um den Schutz der Bürger.

Die Umweltorganisationen Greenpeace, BUND und Deutsche Umwelthilfe forderten sofortige Gegenmaßnahmen. "Auf Bundesebene wie in den Kommunen muss es jetzt darum gehen, die Belastung für Menschen und Umwelt schnellstens zu verringern", erklärte BUND-Experte Jens Hilgenberg. Die Blaue Plakette dürfe jetzt "nicht länger tabuisiert werden".

Die Einführung der Plakette war im vergangenen Sommer vom Bundesumweltministerium auf Eis gelegt worden. Sie soll Autos mit besonders geringem Ausstoß von Abgasen wie etwa Stickoxid kennzeichnen. Die Plakette würde Kommunen eine Grundlage dafür verschaffen, nur diese in bestimmte Bereiche fahren zu lassen - und etwa ältere Diesel auszusperren.

Die Grünen forderten einen Abschied von der Dieseltechnik. "Wir brauchen daher endlich einen Ausstiegsplan aus dem Diesel-Pkw und einen beherzten Einstieg in alternative Antriebstechnologien", erklärte ihr Bundestagsfraktionschef Anton Hofreiter.

Die Stickoxide entstehen als unerwünschte Nebenprodukte bei Verbrennungsprozessen, vor allem in Automotoren. Laut Umweltbundesamt ist die Belastung in Ballungsgebieten daher am höchsten. Sie schädigen Pflanzen und können vor allem für Asthmatiker problematisch werden. Umweltschützer verweisen außerdem auf Gefahren durch Herzkreislauferkrankungen.

In der EU gilt für die Stickoxidbelastung laut UBA ein verbindlicher Grenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft, der im Laufe eines Jahres nicht überschritten werden darf. Um Stickoxide geht es auch beim VW-Skandal. Der Autobauer hatte zugegeben, deren Ausstoß bei Millionen Dieseln bei Testläufen per Software künstlich gesenkt zu haben.

Die Umwelthilfe warf der Politik "Totalversagen" und "strafbares Verhalten" vor. Sie werde die Behörden "auf dem Gerichtsweg" dazu bringen, spätestens ab Januar 2018 Dieselfahrverbote einzuführen, teilte Geschäftsführer Jürgen Resch mit. Der Verband verklagte nach eigenen Angaben 16 Kommunal- und Landesbehörden darauf, für saubere Luft zu sorgen. Ein erster Fall liegt demnach zur Revision beim Bundesverwaltungsgericht.

Auch der Rückgang der Feinstaubbelastung stellte das Umweltbundesamt nicht zufrieden. Die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Grenzwerte würden weiter klar überschritten, erklärte die Behörde. Diese sind viel strenger als die EU-Grenzwerte.

Bund, Länder und Kommunen müssten gemeinsam weitere Anstrengungen unternehmen, um das Gesundheitsrisiko durch Feinstaub zu senken, betonte Krautzberger. Unter anderem müsse die Freisetzung von Feinstaub aus privaten Holzöfen oder Holzkaminen reduziert werden.

 

/mrf/